Bei der Wundversorgung machen viele Menschen immer wieder die gleichen Fehler – teilweise mit ernsthaften Folgen für die Wundheilung. Hier erfährst du die 5 häufigsten Irrtümer und wie du Wunden wirklich richtig versorgst.
Fehler 1: Wunde mit Watte reinigen
Watte ist weich – aber ungeeignet für Wunden! Wattefasern bleiben in der Wunde zurück, verkleben sich mit Blut und fördern Entzündungen. Das Entfernen verklumpter Watte schmerzt und verletzt das heilende Gewebe erneut.
Richtig: Sterile Kompressen aus dem Verbandkasten verwenden, oder die Wunde unter fließendem, kühlem Leitungswasser spülen (ca. 15–30 Sekunden).
Fehler 2: Wundsalbe in tiefe oder infizierte Wunden
Wundsalben in tiefen Wunden verhindern die Heilung von innen nach außen und können Bakterien einschließen. Das kann zur Bildung von Hohlräumen führen und eine Infektion begünstigen.
Richtig: Wundsalben nur auf oberflächliche Schürfwunden und Kratzwunden. Tiefere Wunden nach dem Reinigen trocken und steril abdecken. Im Zweifelsfall Arzt aufsuchen.
Fehler 3: Pflaster oder Verband zu fest anlegen
Ein zu eng anliegender Verband schnürt die Durchblutung ab, schmerzt und kann das Gewebe schädigen.
Richtig: Verband soll die Wunde schützen – nicht abschnüren. Regelmäßig prüfen: Ist die Haut unter dem Verband noch warm? Kribbelt oder taubt es? Kann die Person Finger oder Zehen noch normal bewegen?
Fehler 4: Fremdkörper aus tiefen Wunden entfernen
Tiefe Splitter, eingesteckte Gegenstände oder Glasscherben niemals selbst entfernen! Fremdkörper in Wunden können Blutungen tamponieren – entfernst du sie, kann eine starke, unkontrollierbare Blutung entstehen.
Verband die Wunde um den Fremdkörper herum ohne ihn zu bewegen oder zu entfernen. Notruf 112 bei großen eingesteckten Gegenständen oder starken Blutungen. Den Arzt entscheiden lassen!
Fehler 5: Zu lange mit dem Arztbesuch warten
Viele Menschen unterschätzen Wunden und warten zu lange. Dabei gibt es klare Zeichen, wann medizinische Hilfe nötig ist:
- Wunde ist länger als 1 cm oder tief (Sehnen, Knochen sichtbar)
- Blutung stoppt nach 10 Minuten Druckverband nicht
- Wunde ist stark verschmutzt (Erde, Rost, Glas)
- Bisswunde von Mensch oder Tier
- Zeichen von Infektion: zunehmende Rötung, Wärme, Schwellung, Eiter
- Kein ausreichender Tetanusschutz (letzte Impfung vor mehr als 10 Jahren)
Richtige Wundversorgung Schritt für Schritt
Prüfe regelmäßig den Verbandkasten zu Hause und im Auto. Verfallsdaten kontrollieren, fehlende Materialien nachkaufen. Der Verbandkasten im Auto muss DIN 13164 entsprechen.