Impfungen gehören zu den größten medizinischen Errungenschaften der Menschheitsgeschichte. Sie haben Krankheiten wie Pocken vollständig ausgerottet und Polio fast besiegt. Und trotzdem: Unsicherheiten und Fehlinformationen halten sich hartnäckig. Warum sind Impfungen so wichtig – und was steckt hinter den Mythen?
Wie funktioniert eine Impfung?
Eine Impfung bereitet das Immunsystem auf einen bestimmten Erreger vor, ohne dass du daran erkrankst. Der Körper bekommt abgeschwächte oder inaktivierte Erreger (Totimpfstoffe) oder nur spezifische Bestandteile davon – und "lernt" so, den Erreger zu erkennen und zu bekämpfen.
Beim nächsten echten Kontakt: Das Immunsystem reagiert sofort und effektiv dank seiner Gedächtniszellen. Du wirst gar nicht krank oder nur sehr leicht.
Zweifacher Schutz – für dich und andere
| Schutzart | Wer profitiert | Wirkung |
|---|---|---|
| Individueller Schutz | Du selbst | Schutz vor der Erkrankung oder milderem Verlauf |
| Herdenschutz | Alle in der Gemeinschaft | Erreger kann sich nicht mehr ausbreiten, schützt Ungeimpfte |
| Ausrottung | Gesamte Bevölkerung | Krankheit verschwindet vollständig (wie Pocken) |
Hartnäckige Mythen – richtig gestellt
Mythos: "Impfungen verursachen Autismus"
Falsch. Dieser Mythos basiert auf einer 1998 veröffentlichten Studie, die schwerwiegende Manipulationen enthielt, zurückgezogen wurde und deren Erstautor seine Approbation verlor. Unzählige große Studien mit Millionen von Kindern weltweit haben seither keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus gefunden.
Mythos: "Natürliche Immunität ist besser als Impfungen"
Teilweise falsch. Eine durchgemachte Erkrankung kann starke Immunität erzeugen – aber oft um den Preis schwerer Komplikationen, bleibender Schäden oder des Todes. Bei Masern: 1–2 von 1000 Erkrankten sterben, viele bekommen Hirnentzündungen. Impfungen bieten den sicheren Weg zur Immunität.
Mythos: "Impfungen überlasten das Immunsystem"
Falsch. Unser Immunsystem kommt täglich mit Tausenden von Erregern in Kontakt und entwickelt ständig Abwehrreaktionen. Eine Impfung ist eine kontrollierte, gezielte Stimulation – das Immunsystem bewältigt das problemlos, auch wenn mehrere Impfungen gleichzeitig gegeben werden.
Mythos: "Ich bin gesund, ich brauche keine Impfung"
Falsch. Gerade gesunde Menschen können Erreger unbemerkt weitertragen ("stille Überträger") und dadurch vulnerable Personen (Säuglinge, Immungeschwächte, Krebspatienten) gefährden, die sich nicht selbst schützen können.
STIKO-Empfehlungen – für jeden Altersgruppe
- Masern, Mumps, Röteln (MMR) – 2 Impfungen im Kindesalter
- Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten – alle 10 Jahre auffrischen!
- Polio (Kinderlähmung)
- HPV (gegen Gebärmutterhalskrebs und andere Krebsarten) – bis 17 Jahre empfohlen
- Grippe (Influenza) – jährlich, besonders für Risikogruppen ab 60
- COVID-19 – je nach Risikogruppe und aktueller STIKO-Empfehlung
- Pneumokokken – ab 60 Jahren empfohlen
Wann warst du zuletzt beim Arzt zum Impf-Check? Besonders Tetanus und Diphtherie werden von Erwachsenen oft vergessen – und sind nach 10 Jahren nicht mehr ausreichend geschützt. Beim nächsten Arzttermin einfach nachfragen!