Ein Sommertag am See. Kinder toben am Ufer – und plötzlich ist es still. Ertrinken passiert leise. Kein Rufen, kein dramatisches Winken wie im Film. Laut DLRG wurden 2024 mindestens 411 Ertrinkungsfälle in Deutschland verzeichnet – viele davon wären vermeidbar gewesen.
Ertrinken erkennen – es ist nicht wie im Film
Ertrinkende können meist keine Hilfe rufen, weil sie keine Kapazität für Schreien haben – der Körper ist mit Atmen beschäftigt. Erkennungszeichen:
- Kopf zurückgelegt, Mund auf Wasserhöhe oder knapp darüber
- Augen glasig, starrer Blick ohne Fokus
- Aufrechte Körperhaltung im Wasser, senkrecht stehend
- Paddelnde Bewegungen unter Wasser, kein Vorwärtskommen
- Haare im Gesicht, Person räumt sie nicht weg
- Stille – Ertrinken ist oft überraschend leise
Kinder können schon in flachen Planschbecken, Badewannen oder Eimern ertrinken. Kinder immer direkt beaufsichtigen – kein kurzes "nur mal eben"! Beim Bystander-Effekt denkt jeder: die anderen passen auf. Weise Aufsicht immer konkret an eine Person an.
Rettungsmaßnahmen – so handelst du richtig
HLW nach Ertrinkungsunfall
Bei Ertrinkenden ist der Sauerstoffmangel die Hauptursache – deshalb beginnt die Reanimation mit 5 Atemspenden bevor Herzdruckmassage beginnt. Danach normaler 30:2-Rhythmus.
Erbrochenes Wasser aus dem Atemweg: Person kurz auf die Seite drehen, Mund säubern, dann weiter mit HLW.
Auch wenn sich die Person erholt zu haben scheint: immer Rettungsdienst rufen und ärztlich untersuchen lassen! Noch Stunden nach einem Ertrinkungsunfall können Komplikationen auftreten ("sekundäres Ertrinken" durch Wasseraspiration in die Lunge).
Kindersicherheit am Wasser
- Pools und Teiche einzäunen (mindestens 1,2 m hoch, selbst schließend)
- Frühzeitige Schwimmausbildung für Kinder – ab ca. 4 Jahren
- An Badestellen: nur an freigegebenen Stellen, Warnschilder beachten
- Alkohol und Schwimmen – lebensgefährliche Kombination
- Kälteschock nach Sprung in kaltes Wasser nicht unterschätzen